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Die Frage, wie viel Sonnenlicht eine Solarzelle tatsächlich in nutzbaren Strom umwandelt, beschäftigt Materialwissenschaftlerinnen, Physiker und Ingenieure seit Jahrzehnten. Fortschritte kommen dabei selten aus einzelnen Durchbrüchen, sondern aus dem geduldigen Zusammenspiel von Grundlagenforschung, Materialentwicklung und Fertigungspräzision. Stuttgart ist einer der Standorte, an denen sich dieser Bogen beobachten lässt: Am dortigen Institut für Photovoltaik wird an Perowskit-Tandemzellen geforscht, während Fachbetriebe für Photovoltaik Stuttgart parallel montieren, was aus früheren Forschungsgenerationen marktreif geworden ist. Zwischen beiden Enden liegen Jahre – und jeder Zwischenschritt ist wissenschaftlich anspruchsvoll.

„Photovoltaik Wirkungsgrad Forschung“ – hinter dieser Suchanfrage steckt mehr als eine technische Optimierungsaufgabe. Es geht um das Verständnis fundamentaler physikalischer Grenzen, um neue Materialklassen, die diese Grenzen verschieben, und um die Frage, was unter realen Bedingungen – Temperatur, Verschmutzung, Alterung – tatsächlich erreichbar ist.

Was den Wirkungsgrad einer Solarzelle bestimmt

Die physikalische Obergrenze und warum sie existiert

Jede Solarzelle wandelt Licht in elektrischen Strom um, indem Photonen Elektronen aus ihrem Grundzustand herauslösen. Wie effizient das gelingt, hängt von der Bandlücke des verwendeten Halbleitermaterials ab. Diese Bandlücke legt fest, welche Photonen überhaupt zur Stromerzeugung beitragen können: Photonen mit zu wenig Energie passieren das Material ohne Wirkung, Photonen mit zu viel Energie geben nur einen Teil ihrer Energie ab, der Rest wird als Wärme abgegeben.

Daraus folgt eine theoretische Obergrenze, die William Shockley gemeinsam mit Hans-Joachim Queisser in den frühen 1960er-Jahren erstmals berechnet hat. Diese Shockley-Queisser-Grenze liegt für eine einzelne Halbleiterschicht unter idealen Bedingungen bei einem Wirkungsgrad in der Größenordnung von etwa 33 Prozent – als Orientierungswert für Silizium unter standardisierter Bestrahlung, nicht als gesicherter Messwert für reale Systeme. Kommerzielle Siliziummodule erreichen heute deutlich weniger, da Verluste durch Reflexion, Wärme, elektrische Widerstände und Materialdefekte hinzukommen.

Verluste im realen Betrieb

Neben der physikalischen Grundlimitierung spielen Verluste eine wichtige Rolle, die erst unter Betriebsbedingungen sichtbar werden. Staub und Verschmutzung auf der Moduloberfläche reduzieren den Lichteinfall. Höhere Temperaturen senken den Wirkungsgrad, weil die elektrische Spannung temperaturabhängig fällt. Verbindungswiderstände in Kontakten und Verkabelung erzeugen Wärmeverluste. Und nicht zuletzt altert das Material selbst: Lichtinduzierte Degradation ist ein gut dokumentiertes Phänomen bei Siliziummodulen, das über Jahre zu einer messbaren Leistungsabnahme führt.

Die Forschung konzentriert sich deshalb nicht allein auf das Maximum unter Laborbedingungen, sondern zunehmend auf die Frage, wie sich hohe Wirkungsgrade über lange Zeiträume und unter wechselnden Umweltbedingungen stabil halten lassen.

Materialklassen im Fokus der aktuellen Forschung

Silizium – ausgereift, aber noch nicht am Ende

Silizium ist das meistgenutzte Material in der Photovoltaik, und das aus gutem Grund: Es ist reichlich vorhanden, gut erforscht und lässt sich in etablierten Produktionsanlagen verarbeiten. Trotzdem ist die Arbeit an Siliziumzellen keineswegs abgeschlossen. Heterojunction-Technologie, bei der kristallines Silizium mit dünnen amorphen Schichten kombiniert wird, ermöglicht eine verbesserte Passivierung von Defekten an der Zelloberfläche und führt zu höheren Wirkungsgraden als klassische Zellarchitekturen.

Ein weiterer Ansatz betrifft die Rückseitenstruktur der Zelle: Bei sogenannten Back-Contact-Zellen werden beide elektrischen Kontakte auf die der Sonne abgewandte Seite verlagert, was Abschattungsverluste durch Metallfingerstrukturen auf der Vorderseite eliminiert. Diese Bauformen sind aufwändiger herzustellen, liefern aber Wirkungsgrade, die deutlich über dem üblichen Marktniveau liegen.

Perowskit – das vielversprechende Newcomer-Material

Wenige Materialentwicklungen haben das Feld so stark beeinflusst wie die Perowskit-Solarzellen. Diese Verbindungen – meist auf Basis von Blei-Halogeniden – lassen sich vergleichsweise einfach aus Lösungen abscheiden, was niedrige Produktionstemperaturen und potenziell günstige Herstellungskosten verspricht.

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Noch wichtiger aus wissenschaftlicher Sicht: Perowskit-Materialien lassen sich in ihrer Bandlücke gezielt einstellen. Das eröffnet die Möglichkeit, sie mit Silizium in Tandemzellen zu kombinieren, bei denen zwei Absorptionsschichten unterschiedliche Spektralbereiche des Sonnenlichts nutzen. Solche Tandemarchitekturen sind derzeit eines der aktivsten Forschungsfelder überhaupt.

Die zentrale Herausforderung bleibt die Langzeitstabilität. Perowskit-Materialien reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit, Sauerstoff und thermische Belastung. In Labors weltweit wird intensiv daran gearbeitet, Verkapselungsverfahren und Materialzusammensetzungen zu entwickeln, die eine Lebensdauer im Bereich konventioneller Solarmodule ermöglichen. Erst wenn diese Hürde genommen ist, wird sich der Fortschritt beim Wirkungsgrad auch in Perowskit-basierten Produkten niederschlagen.

Tandemzellen und Konzentratorphotovoltaik

Das Prinzip der spektralen Nutzung

Das Grundproblem einer einzelnen Halbleiterschicht lässt sich durch Schichtung mehrerer Materialien mit unterschiedlichen Bandlücken umgehen. In einer Tandemzelle absorbiert die obere Schicht kurzwelliges Licht hoher Energie, die untere Schicht nutzt langwelliges Licht geringerer Energie. So wird ein breiterer Teil des Sonnenspektrums genutzt, und die theoretische Obergrenze verschiebt sich deutlich nach oben.

Dreier- beziehungsweise Mehrfachzellen aus III-V-Halbleitern – Verbindungshalbleitern aus Elementen der dritten und fünften Gruppe des Periodensystems – erreichen unter konzentriertem Licht im Labor Werte, die weit jenseits der Shockley-Queisser-Grenze für Einfachzellen liegen. Das Fraunhofer ISE meldete für eine Vierfachsolarzelle unter Konzentration einen Wirkungsgrad von 47,6 Prozent.

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Diese Systeme sind teuer in der Herstellung und werden vor allem in der Raumfahrt und in speziellen terrestrischen Konzentratorsystemen eingesetzt, in denen Linsen oder Spiegel das Sonnenlicht auf kleine Zellflächen bündeln. Für den Massenmarkt sind sie bisher nicht praktikabel, aber sie liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, was physikalisch möglich ist – und inspirieren Ansätze, die günstiger realisierbare Kombinationen suchen. Das Feld arbeitet also auf zwei Ebenen gleichzeitig: Es erschließt Grenzen am oberen Ende und versucht, das massentaugliche Mittelsegment nach oben zu verschieben.

Quantenpunkte und neue Konzepte jenseits des Mainstreams

Noch weiter entfernt von der kommerziellen Anwendung, aber wissenschaftlich hochinteressant sind Konzepte, die mit Quantenmechanik arbeiten. Quantenpunkte – nanometergroße Halbleiterkristalle, deren optische Eigenschaften über ihre Größe steuerbar sind – bieten theoretisch die Möglichkeit, aus einem einzigen Photon mehrere Elektronen-Loch-Paare zu erzeugen. Dieser Effekt, bekannt als Multiple Exciton Generation, könnte die Verluste durch zu energiereiche Photonen deutlich reduzieren.

Ob und wann solche Konzepte technisch nutzbar werden, ist offen. Die Brücke von der Beobachtung im Nanometer-Maßstab zur stabilen Zelle in der Größenordnung von Quadratdezimetern ist dabei die eigentliche wissenschaftliche Leistung.

Messung, Normierung und Vergleichbarkeit

Warum Labormessungen und Praxiswerte auseinanderfallen

Wenn in wissenschaftlichen Publikationen neue Rekordwerte gemeldet werden, beziehen sich diese fast immer auf winzige Zellen unter kontrollierten Laborbedingungen: standardisierte Bestrahlungsstärke, definierte Spektralverteilung des Lichts, konstante Temperatur. Diese Bedingungen werden durch die Standard Test Condition festgelegt, die einen direkten Vergleich zwischen verschiedenen Labors und Technologien ermöglicht.

Im Feld – auf Hausdächern, auf Freiflächen, unter wechselndem Wetter – weichen die tatsächlichen Erträge davon ab. Diffuses Licht an bewölkten Tagen hat eine andere Spektralverteilung als direktes Sonnenlicht, Module erwärmen sich je nach Hinterlüftung unterschiedlich stark, und die Nennleistung auf dem Typenschild ist kein Versprechen für jeden Betriebszustand. Wer sich mit Effizienz beschäftigt, muss deshalb streng zwischen Effizienzmessung und Ertragsprognose unterscheiden.

Normierung und Qualifikation in der Praxis

Für die Qualifikation kommerzieller Module gibt es internationale Normen, die Mindestanforderungen an Leistung, Temperaturbeständigkeit, mechanische Festigkeit und Alterungsverhalten definieren. In Österreich sind Installationen und Produkte an die jeweils geltenden technischen Anforderungen gebunden; die zuständigen Stellen und anwendbaren Normen sollten im Einzelfall bei der zuständigen Behörde oder beim Netzbetreiber abgeklärt werden.

Für die Forschung selbst sind unabhängige Kalibrierlabors entscheidend, die Messergebnisse verschiedener Einrichtungen vergleichbar machen. Die Validierung von Rekordwerten durch anerkannte externe Stellen ist in der Photovoltaik-Community eine feste Praxis – ohne sie wäre die jährliche Fortschreibung der Effizienztabellen wertlos.

Österreichische Forschungslandschaft und internationale Vernetzung

Die Photovoltaik-Forschung ist in Österreich keine Randerscheinung. Das AIT Austrian Institute of Technology arbeitet in seinem Bereich Photovoltaik an Themen, die über die Zelle hinausgehen: Zuverlässigkeit und Lebensdauer von Modulen, Integration in Gebäude und Infrastruktur, Ertragsmodellierung unter realen klimatischen Bedingungen. Genau dieser Teil der Kette entscheidet darüber, ob ein im Labor erzielter Wirkungsgrad nach zwanzig Jahren noch messbar ist.

Für die internationale Einbindung ist die Förderlandschaft der zweite Faktor. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft koordiniert unter anderem Solar-ERA.NET, ein europäisches Netzwerk zur transnationalen Zusammenarbeit in der Solarforschung. Solche Programme ermöglichen es, dass österreichische Institute an Vorhaben mitarbeiten, die ein einzelnes Land nicht tragen könnte.

Folgende Aspekte prägen die aktuelle Forschungsagenda:

  • Stabilisierung von Perowskit-Materialien unter Langzeitbedingungen
  • Entwicklung kostengünstiger Tandemzell-Architekturen für den Massenmarkt
  • Verbesserte Passivierung von Zelloberflächen und Rückseitenstrukturen bei Silizium
  • Modellierung von Leistungsverlusten durch Alterung und Verschmutzung
  • Integration von Dünnschichttechnologien in Gebäudeoberflächen

Jedes dieser Themen verbindet Grundlagenforschung mit angewandter Entwicklung – eine Verbindung, die für den Erkenntnisfortschritt in diesem Feld typisch ist.

Österreich und Deutschland im Vergleich

Für Forschende ist der Blick über die Grenze mehr als Neugier. Die beiden Länder gehen in der Photovoltaik unterschiedliche Wege, und daraus ergeben sich Bedingungen, unter denen dieselbe Technologie unterschiedlich abschneidet.

Unterschiedliche Ausgangslagen in der Forschung

Deutschland verfügt mit dem Fraunhofer ISE, dem Helmholtz-Zentrum Berlin und mehreren universitären Instituten über eine breite institutionelle Basis in der Zellforschung – dort entstehen die Rekordwerte, die international zitiert werden. Österreich ist in diesem Segment kleiner aufgestellt, hat aber Schwerpunkte gesetzt, die anders liegen: Zuverlässigkeit, Modullebensdauer, Gebäudeintegration und Ertragsmodellierung unter alpinen Bedingungen.

Das ist keine Rangfolge, sondern eine Arbeitsteilung. Wer eine Zelle im Labor auf 30 Prozent bringt, hat noch nicht gezeigt, dass ein Modul daraus zwanzig Jahre bei 2.000 Höhenmetern durchhält. Genau diese Frage ist ein österreichischer Forschungsschwerpunkt – und über Netzwerke wie Solar-ERA.NET fließt sie in Vorhaben ein, an denen deutsche Institute beteiligt sind.

Was die Standortbedingungen unterscheidet

Für die Ertragsprognose sind zwei Größen entscheidend, und beide unterscheiden sich zwischen den Ländern deutlich.

Einstrahlung und Höhe. Der Alpenraum bietet in Höhenlagen eine höhere Globalstrahlung als der deutsche Durchschnitt, dazu einen erheblichen Anteil an Reflexion durch Schnee. Bifaziale Module, die auch von der Rückseite Licht aufnehmen, arbeiten dort messbar besser als im Flachland. Gleichzeitig sind die Anforderungen an mechanische Festigkeit höher – Schneelast und Windlast fallen anders aus als in Baden-Württemberg.

Temperatur. Der Wirkungsgrad einer Zelle sinkt mit steigender Modultemperatur. Kühlere Umgebungstemperaturen in Höhenlagen wirken hier zugunsten des Ertrags – ein Effekt, der in der Auslegung häufig unterschätzt wird, weil er der Intuition widerspricht: Nicht der heiße Sommertag ist der ertragsstärkste, sondern der kalte, klare Wintertag mit Schneereflexion.

In Städten wie Stuttgart oder Wien stellt sich die Aufgabe wieder anders: begrenzte Dachflächen, Verschattung durch Nachbargebäude, Denkmalschutz. Was ein Fachbetrieb für Photovoltaik dort auslegt, hat mit einer Freiflächenanlage im Burgenland technisch wenig zu tun – dieselben Module, völlig andere Randbedingungen.

Wo die Regelwerke auseinandergehen

Auch administrativ unterscheiden sich die Länder erheblich. In Österreich sind Netzanschluss und Förderung stark auf Landesebene und bei den Netzbetreibern angesiedelt; in Deutschland prägen bundesweite Regelungen den Rahmen. Für Forschende ist das relevant, sobald es um Demonstrationsanlagen oder Feldversuche geht – Genehmigungswege, Einspeisebedingungen und Messverpflichtungen sind nicht übertragbar.

Praktisch heißt das für jedes länderübergreifende Vorhaben: Die technische Vergleichbarkeit von Messdaten ist über Normen gesichert, die administrative Seite nicht. Wer Ergebnisse aus einem deutschen Feldversuch auf österreichische Bedingungen überträgt, sollte beides trennen – die Physik gilt grenzüberschreitend, die Verwaltung nicht.

Fazit

Der Wirkungsgrad einer Solarzelle ist kein fester Wert, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Materialphysik, Zellarchitektur, Fertigungsqualität und Betriebsbedingungen. In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Fortschritte erzielt – und gleichzeitig zeigt sich deutlich, wie viel theoretisches Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Perowskit-Tandemzellen, Mehrfachübergänge und Quantenpunkt-Konzepte sind keine bloßen Zukunftsvisionen, sondern aktive Forschungsfelder mit messbaren Teilerfolgen im Labor.

Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, findet in den Veröffentlichungen einschlägiger Fachzeitschriften – etwa Progress in Photovoltaics – einen guten Ausgangspunkt. Die dort jährlich publizierten Effizienztabellen geben einen verlässlichen Überblick über den Stand der Technik, getrennt nach Zelltechnologie und Messeinrichtung. Für österreichische Forschende lohnt zudem ein Blick auf die laufenden Ausschreibungen der Förderagenturen, um Kooperationsmöglichkeiten nicht zu übersehen.

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