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Seitdem durch die Covid 19 Pandemie ein permanenter Krisenmodus in Deutschland ausgebrochen ist, gibt es einen immer wieder neu aufflammenden Konflikt zwischen Politiken und Teilen Gesellschaft. Den einen gehen die beschlossenen Maßnahmen viel zu weit, weil sie Freiheiten einschränken. Andere beschweren sich darüber, dass sie viel zu wenig wirksam sind, um die Sicherheit zu erhöhen. Daher müssten sie ihrer Ansicht nach noch viel strenger sein.

Problem an der Sache ist leider nur, dass man im Leben meist nur hinterher klüger ist. Vor allem dann, wenn es sich bei einem Problem um eine neuartige Angelegenheit handelt, deren Konsequenzen noch nicht bekannt sind. Mit dem Coronavirus hat uns genau so ein Problem getroffen. Es war neu, es war unbekannt und keiner wusste, wie man richtig reagieren sollte. Daher kommt es auch zu völlig unterschiedlichen Reaktionen einzelner Länder. In China hat man die Bürger seit Ausbruch quasi eingesperrt. Ich Deutschland war man her streng und vorsichtig. Die Schweden haben es locker gesehen, und viele Freiheiten gelassen. Israel hat sich als besonders flott und kompetent erwiesen bei den Impfungen.

Eine der Maßnahmen der Regierung war es Tests zu machen. Möglichst viele und möglichst regelmäßig. Hierfür wurden entsprechende Einrichtungen erschaffen. Man taufte sie Schnelltestzentrum. Sie sollten gut verteilt liegen in der ganzen Stadt, so dass jeder Bürger schnell an einen Test kommt – unabhängig davon, ob jemand in der Innenstadt oder am Stadtrand lebt.

Für manche war das noch nicht genug. Ein Schnelltestzentrum ist nun einmal stationär. Noch immer wollten viel mehr Einwohner getestet werden. Doch sie wohnten weit weg. Daher wurden mit der Zeit sogar Busse eingesetzt, um noch mehr Menschen zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu geben kurzfristig an einen zertifizierten Schnelltest zu bekommen. Doch inwiefern hilft so ein Testbus Corona dabei im Kampf gegen SARS-CoV-2 die Oberhand zu gewinnen?

Testbusse – wie helfen sie beim Kampf gegen das Coronavirus?

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Bei all den Daten und Werten, mit denen die Menschen jeden Tag bombardiert werden, verliert man leicht den Überblick. Vor allem, wenn Länder wie Thüringen und Bayern ganz andere Vorschriften erlassen als Hessen und Hamburg. Wo ist da die Logik?

Man muss sich wieder klar machen, warum alles so ist, wie es ist. Als SARS-CoV-2 anfing sein Unwesen in China zu treiben, hat man gemerkt, dass es vor allem alte Personen sind, die daran sterben. Und zudem Menschen mit Vorerkrankungen. Daher versucht man diese zu schützen. Des Weiteren zeigten die statistischen Werte, dass zahlreiche Menschen mit einer Infektion im Krankenhaus liegen mussten, bei künstlicher Beatmung. Deutschland hat ein gut ausgebautes Gesundheitswesen. Aber auch hier ist es nicht schaffbar jeden zu retten, wenn alle gleichzeitig krank werden. Würde man den Dingen freien Lauf lassen, dann wäre die Infektion zu schnell. Dies hätte zur Folge, dass zahlreiche Bürger nur deshalb sterben würden, weil man sie nicht versorgen kann. All diese Maßnahmen mit Lockdowns und Ausgangssperren wurden lediglich dazu eingeführt, um die Ausbreitung zu verlangsamen. So zu verlangsamen, dass im Notfall jeder im Krankenhaus gerettet werden kann. Und zwar so, dass neben den Coronapatienten in der Klinik, alle anderen noch versorgt werden.

Damit das klappt, hat man den Wert der Sieben-Tage-Inzidenz als wichtiges Kriterium eingeführt. Anhand dessen Höhe lassen sich nämlich Hochrechnungen erstellen, wie viele Menschen in der Klinik sein werden und ab wann das Gesundheitssystem zusammenbricht. „Flatten the Curve“ – war die Devise, die Kurve verlangsamen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde am Anfang mit 100 festgeschrieben. Ab diesem Wert wurden Schulen auf bzw. zu gemacht. Dies galt jedoch zu einem Zeitpunkt, als die Impfungen noch nicht allzu weit waren. Mittlerweile sind 75% der Einwohner Deutschlands geimpft. Daher ist eine deutlich höhere Inzidenz möglich, ohne dass die Krankenhäuser überquellen.

Als weiteres Standbein der Strategie wurde die Testung intensiviert. Es sollten möglichst viele Menschen regelmäßig getestet werden. Auch das trägt immens dazu bei die Kurve flacher zu machen. Grund dafür ist zum einen die Datenlage. Anfänglich gab es nur wenige Schnelltests. Man vermutete, dass die Dunkelziffern für die Inzidenzen viel, viel höher liegen als in den offiziellen Zahlen. Ungenaue Zahlen jedoch hätten zur Folge gehabt, dass die Kliniken doch überflutet werden, weil man von falschen Infektionswerten ausgegangen war. Doch mit der Einführung flächendeckender Tests, änderte sich das. Ein Testzentrum nach dem anderen eröffnete. Mit der Einführung von mobilen Corona-Testbussen wurden noch viel mehr Lücken geschlossen. Auf diesem Wege wurde das Coronavirus noch nicht aufgehalten. Aber für die Verbesserung der Datenbasis waren sie auf jeden Fall gut.

Dennoch muss man klar sagen, dass die Testbusse auch eine Wirkung bei der Verlangsamung der Infektionen spielen. Dies tun sie damit, dass sie zahlreiche Träger des Virus schnell identifizierten. Wenn sie das taten, erfolge sofort eine Meldung ans Gesundheitsamt. Die Positiven durften dann am nächsten Tag nicht mehr in die Arbeit oder zu Freunden. Stattdessen wurde ihnen Quarantäne auferlegt. Auf diesem Wege wurde erreicht, dass sich die Leute, die normalerweise noch munter weiter die Infektion hätten verbreiten können, schneller aus der Öffentlichkeit zurückgezogen wurden. In der Folge verlangsamten sich die Ansteckungen nochmals weiter.

Man muss den Nutzen vom Thema Corona-Testbus also nicht isoliert betrachten. Stattdessen ist er ein wichtiger Baustein gewesen in einer umfassenden Strategie. Eine solche zielte immer darauf ab Infektionen zu verlangsamen. So würde die Gesellschaft letzten Endes auf sanfte Weise irgendwann immun sein. Immun entweder dadurch, dass eine kontrollierte Durchseuchung stattfindet. Oder immun dadurch, dass die Impfungen die Bürger vor einer Ansteckung schützen.

Wie ist die Zukunftsperspektive für den Corona-Testbus?

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Ende 2021 tauchte aus Südafrika die Corona Variante mit dem Namen Omikron auf. Ersten Untersuchungen nach war sie ansteckender als die in Europa vorherrschende Delta-Variante. Allerdings wies sie eine deutlich niedrigere Rate an Hospitalisierungen und Todesfällen auf.

Im Januar 2022 wurde sie dominant und beherrscht nun das Infektionsgeschehen. Die Inzidenzen sind seither rapide am Ansteigen, doch glücklicherweise nicht so schnell die Einweisungen in Krankenhäuser.

Leider zeigte sich, dass die Impfungen nicht gut genug sind, um eine Ansteckung mit dieser Variante zu verhindern. So kam es, dass sich das Virus immer schneller verbreitete. Allerdings profitieren geimpfte von einem milderen Verlauf.

Virologen sagen seither, dass sich aufgrund der schnellen Verbreitung eine Endemie entwickeln könnte. Das heißt, Testungen spielen dann nicht mehr eine ganz so große Rolle. Sie können die Sache ohnehin nicht mehr aufhalten, ebenso wie das Impfen. Im Parlament diskutiert man eine Einführung einer Impfpflicht. Doch bis diese juristisch sicher auf dem Tisch liegt, könnte es sein, dass das Land durchseucht ist – so unken einige Experten. Es scheint so, dass man insgeheim hofft, dass die Dinge einigermaßen gesittet ablaufen und sich das Problem durch die Omikron Variante so ziemlich von ganz alleine löst.

Unterm Strich lässt sich sagen: mobile Testbusse waren in einer heißen Phase der Pandemie auf jeden Fall sehr nützlich. Sie haben massiv dazu beigetragen die Dunkelziffer bei den Infektionen etwas klarer werden zu lassen. Ob sie im Jahr 2022 noch eine Rolle spielen werden ist nicht sicher. Durch Omikron ändern sich die Regeln. Aber bisher haben sie auf jeden Fall gute Dienste geleistet. Zudem könnten jederzeit auch andere Varianten kommen und alles Bisherige über den Haufen werfen.